Mittwoch, 16. März 2011

Teil 2: Zurück aus Big City…


Als wir sagten, daß wir nach London fahren, wurden wir von gewissen Leuten tüchtig verhöhnt. Glauben Sie nicht? Doch, ehrlich. Wissen Sie warum? Weil das Essen so schlecht ist. Kein Witz. Weiß ja auch jeder, oder? In ganz England gibt´s Fish & Chips, wobei das noch das Beste ist, was man kriegen kann, und ansonsten nur ungewürztes, graues, unidentifizierbares Zeug. In London ist das natürlich nicht anders.
Nun ja. Manche leben eben hinter dem Mond.
Da Franzinellis sozusagen ständig ans Essen denken, war dieses Thema auf unserer kleinen Reise ein überaus wichtiges solches. Und ein unerschöpfliches dazu. Denn in London besteht die größte Schwierigkeit im Hinblick auf Speisen & Getränke darin, sich entscheiden zu müssen. Ist schlimm, wirklich. Man möchte traditionell essen, aber auch lekker Asiatisch in sämtlichen Facetten und afrikanisch selbstredend auch und was es sonst noch gibt. Ein Drama, wenngleich eins, das großen Spaß macht: All die Debatten jeden Mittag und Abend. Und dann war auch noch Pie Week!
Nebenbei: Fish & Chips haben wir gar nicht verzehrt. Zum einen muß man in Big City erstmal einen Ort finden, wo welche angeboten werden: Vorbei sind die Zeiten, als an jeder Ecke ein Pommes-Laden stand und man quasi nur der Nase nach gehen mußte. In unserem favourite pub wurde jenes Gericht zwar äußerst appetitlich serviert, allein, die anderen Verlockungen waren stärker…


Egal, wo man herumkommt in England: Ein angestammtes pub sollte man haben und wenn es nur für ein paar Tage ist. Da kann man schön essen, gemütlich abhängen und man trifft Himmel und Menschen. Der Glaube, das englische Bier würde einem nahezu handwarm hingestellt, hält sich im Übrigen wie manch anderes Gerücht ziemlich hartnäkkig. Ist aber auch schon wieder nicht wahr. Und man bekommt keineswegs eine namenlose braune Brühe, die man keinem Esel ins Ohr gießen kann. Wer kein Biertrinker ist, findet außerdem eine erstaunliche Auswahl ordentlicher Weine im pub seiner Wahl. Kosten keinen Arm und kein Bein. Vor Jahren war mal ein Getränk mit Namen shandy modern in den Kneipen, besonders bei den Mädels. Wir haben leider ganz vergessen zu fragen, ob das heute noch bestellt wird.


Essen in Spitalsfields market. Der Hammer, sagen wir Ihnen. Wir wußten nicht, wo wir anfangen und aufhören sollten: Thailändisch und marokkanisch und chinesisch und japanisch und bulgoki-koreanisch und sudanesisch und türkisch. Und dann hatten wir auf der verkehrten Seite angefangen und mußten Salt Beef und die besten Bagel von London auslassen. War ein kleiner Trost, daß in beiden Läden die Schlangen kilometerlang zur Tür herausstanden. Und es ist ja nichts verloren, wir fahren wieder hin!



Und dann müssen wir Ihnen noch etwas zeigen, das heute schon als Kuriosität gilt und das es in ein paar Jahren vielleicht nicht mehr geben wird. Wir waren an einem Tag in einem der letzten Pie Shops, die in London noch existieren, allerdings akut vom Aussterben bedroht sind: Manze´s on Tower Bridge Road. Pie Shops waren lange Zeit allerorten in der Stadt zu finden: Futterstellen für die hart Arbeitenden, für ein schnelles, sättigendes Essen zu jeder Tageszeit. Es gab Pie, Mash and Liquor – Sauce mit Petersilie – oder Jellied Eel für ein paar Kröten, und man bestellte nach Gusto und Hunger: Two Pie, two Mash oder Three Pie, two Mash oder wie man wollte, ein Schlägelchen Sauce drauf, fertig.
Wir wollen jetzt nicht so tun, als hätten wir in Manze´s antikem Etablissement das beste Essen unseres Lebens bekommen. Und Vegetariern und kulinarischen Ästheten können wir von einem Besuch nur abraten. Aber wir haben ein Stück vom alten London kennengelernt, das ansonsten kaum noch zu finden ist. Mit einer Einrichtung aus dem Jahr Pief und mit Londonern, die sich in Frieden two pie, three mash hinter die Kiemen schieben, ohne chichi und ungeachtet irgendwelcher Vorbehalte hinsichtlich Kalorien oder sonstigen lästigen Nebensächlichkeiten. Aal hatten sie übrigens keinen mehr, der ist inzwischen zu teuer für das Prinzip Pie Shop. War schade. Hätten wir gern auch mal probiert.




1 Kommentar:

  1. Oh cool, werde mir die kulinarische Adresse auch ohne Aal notieren,..das hört sich gut an ;o)
    Hach, ich warte schon gespannt auf euere Fortsetzung ;o)
    Groetjes,
    Maren

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