Freitag, 22. Januar 2010

Kennen Sie…


… die? Ja?Alle Franzinelli-Kinder waren hinter Kreisel-Lutschern her wie der Teufel hinter der armen Seele, denn a) hatten wir selten Geld für Süßigkeiten und b) gab es diese Sorte nur und ausschließlich bei Frau Esser. Frau Esser hatte in ihrem piepkleinen, rumpeligen Laden ein Glas voll auf der Theke stehen und ach! es war der Himmel, sich ein Exemplar auszusuchen. Die Wahl fiel schwer, klar, denn man wußte, es würde für eine ganze Weile das letzte Mal sein (und im Stillen fürchtete man, beim näxten Mal könnte es keine mehr geben!).
Dann verschwanden die Kreisel-Lutscher aus unserem Gesichtsfeld.
Bis letzte Woche: Da fanden wir sie beim Einkaufen im Großmarkt. Leute, was für ein Vergnügen! Nun haben wir ein Glas voll im Kellerregal, und wer brav war, darf einen. Aber nur einen. Da fällt die Wahl schon wieder schwer…

Donnerstag, 21. Januar 2010

Printing Office…


Dieser Tage fanden wir beim Stöbern in einer Schublade mal eine alte Teeschachtel, und was war da drin? Stempel aus dem Jahr Pief! Irgendwann zu Beginn der Stempel-Mania wurde bei uns nämlich geschnitzt, was das Zeug hielt, und kein noch so oller Radiergummi war sicher. Auch kein Weinkorken, denn an denen waren die kleinsten Exemplare befestigt. Das war praktisch beim Stempeln und die Fingerchen blieben sauber (Wer, fragen wir uns heute, hatte eigentlich den Nerv, Bienen und Spinnen zu schnitzen? Würde das nochmal jemand probieren? Es meldet sich niemand zu diesem Thema in Casa Franzinelli. Davon abgesehen, daß der Spinne zwei Beine fehlen, aber das nur nebenbei.).

Wir machten natürlich gleich ein paar Probedrucke, zum Beispiel von unserem alten Chamäleon. Und unsere Fischpopulation war so zahlreich, daß tatsächlich ein veritable unterseeische Landschaft entstand. Die meisten Fische schwimmen seltsamerweise nach rechts, nur einer nach links. Warum auch immer. Die Strömung vielleicht.

Sogar eine kleine Einladung zu Abendessen läßt sich aus solch alten Beständen prima drucken oder schnell ein paar Geschenkanhänger. Die antiken Stempelkissen in grün und violett waren erstaunlicherweise noch ganz frisch – zum Glück! Es ist also gut, daß wir niemals etwas wegwerfen!

Als Kinder nannten wir Radiergummis übrigens "Ratzefummel" und durften nun mit Erstaunen vernehmen, daß dieser Ausdruck immer noch aktuell ist. Mucki hat trotzdem leider keine rechte Affinität zu der Sache, aber die kann sich ja später einstellen. Und Radiergummis sind noch da! Wenngleich es die Speck-Radiergummis von früher nicht mehr in brauchbaren Größen zu geben scheint. Müssen wir eben auf eine italienische Sorte ausweichen.

Das war unser allerallerallererster Stempel: ein Drache aus einem kleinen Speck-Ratzefummel. Leider ist er inzwischen eines Teils seiner Oberlippe verlustig gegangen. Schade wohl. Er darf nun sein Gnadenbrot in der alten Teeschachtel fressen…

Freitag, 15. Januar 2010

Ein Holtern und Poltern…

… auf dem Dach von Casa Franzinelli und wir spitzen lauschend die Ohren: Ist es der Wind? Nein, der Wind ist es nicht. Es ist auch keine Bande von Unholden oder ein Schwarm Condore auf der Durchreise in die Anden. Es ist der Schnee! So leise wie ein Hauch hat er auf unserem Dach Platz genommen, aber jetzt ist es vorbei – es taut, daß es eine Art hat, und die weiße Pracht rauscht in kleinen Lawinen krachend in die Tiefe. Bald wird nichts mehr übrig sein. Schade…

Mucki Franzinelli hat uns einen Schutzengel gemalt, zusammen mit zwei Handabdrücken. Nun müssen wir uns nie mehr vor etwas fürchten…

Auf der Suche nach Wasauchimmereswar fand sich heute ganz hinten in der Tischschublade ein Gegenstand, an den hier jahrelang kein Mensch gedacht hatte und der mit allerlei Ahs! und Ohs! begrüßt wurde wie ein lange verschollener Freund:


Irgendein jugendlicher Franzinelli gab mit der Anfertigung dieses Lädchens in einer großen Streichholzschachtel einst seiner innigen Liebe zum Nachbarland Holland Ausdruck, wo wir zahllose Urlaube in überfüllten Ferienhäusern verbrachten. Beachten Sie die prominent angebrachte Werbung für eine damals populäre Tabakmarke: Auch bei Franzinellis wurde geraucht, daß man die Hand vor Augen nicht sah. Dies ist heute längst Geschichte und auch die kleinen Lebensmittelgeschäfte, die für das winkeltje Pate standen, mußten großen Supermärkten weichen. Was einerseits traurig ist, andererseits aber auch Vorteile bietet, wie so vieles im Leben…

Donnerstag, 14. Januar 2010

Das Wochenende…

… steht sozusagen schon vor der Tür, und am Wochenende backt die Mutter.
So sehen zwei Milchbrote aus, frisch aus dem Ofen…


Jetzt sagen Sie nicht, Sie haben Angst vor Hefeteig! Kommen Sie schon, ehrlich? Warum denn? Der ist gar nicht so schlimm wie sein Ruf! Nein, wirklich nicht! Vorausgesetzt, Sie rühren nicht ausgerechnet an dem Tag einen zusammen, an dem Sie bis spät arbeiten, die Puuten vom KiGa abholen und mit der Schwiegermutti telefonieren müssen, nebenbei noch die Steuererklärung vorbereiten und den Kaninchenkäfig saubermachen, weil die Puuten das wieder vergessen haben. Dann gibt das nix.

Aber jetzt ist doch schon so gut wie Wochenende, und dann haben Sie doch bestimmt ein Stündchen Zeit. Schicken Sie die Blagen mit dem Schlitten raus und sperren Sie das Kaninchen ein. Und danach machen Sie die Küchentür zu und legen in Frieden los. Wir helfen Ihnen und verraten Ihnen ausnahmsweise das Rezept für

Milchbrot

450 ml warme Milch (oder je 225 ml Milch und Wasser)
1 Würfel frische Hefe
1 Tl Zucker
500 gr Weizenmehl No. 550 (oder auch Brötchenmehl, in jedem gut sortierten Supermarkt)
300 gr Weizenvollkornschrot (im Reformhaus oder im gutsortierten Drogeriemarkt)
2 Tl Salz
Milch zum Bestreichen

Mischen: Milch, zerbröckelte Hefe, Zucker. Dazu 1 EL Mehl. Umrühren und warten, bis es tüchtig schäumt.
Mischen: Mehl, Schrot, Salz.
Mischen und Kneten: Hefemilch und Mehl, 5 Minuten in aller Ruhe auf der Anrichte kneten. Keine Ausreden, die Arme werden Ihnen schon nicht abfallen. Wenn Sie eine Küchenmaschine haben, nehmen Sie natürlich die, sonst wären Sie ja blöd.
Den Teig leicht einmehlen, in eine Backschüssel legen und mit einem Geschirrtuch abdecken. An einem warmen, zugfreien Ort 30 Minuten gehen lassen.
Ein Backblech mit Backpapier belegen. Die Teigkugel halbieren, jede Hälfte zusammenkneten und einen ovalen Brotlaib daraus formen. Nehmen Sie dazu bloß nicht eimerweise Mehl – wenn Sie anfangs geduldig geknetet haben, darf jetzt nix mehr kleben! Die Brotlaibe auf das Blech legen, jeden dreimal mit einem scharfen Messer einritzen und mit Milch bestreichen. Mit dem Tuch bedecken und 45 Minuten gehen lassen.
Den Backofen auf 250 Grad vorheizen. Ja, Sie haben richtig gelesen, 250 Grad. Das Backblech auf der mittleren Schiene einschieben. Und jetzt kommt´s: Mit Schmackes eine Kaffeetasse Wasser auf den Ofenboden gießen. Die Ofentür zumachen, aber sofort! Drinnen gibt es jetzt eine schöne Dampfwolke, und Ihre Brote haben am Ende diese braune Kruste, die wir alle so lieben. 15 Minuten backen. Anschließend die Temperatur auf 200 Grad reduzieren und die Brote weitere 25 Minuten ausbacken. Herausholen und auf einem Rost lauwarm abkühlen lassen.
Inzwischen werden die Ihren von den jeweiligen Verrichtungen zurücksein, und ihre Nasen werden sie geradewegs in die Küche gelockt haben. Holen Sie die Salzbutter raus und ein scharfes Messer. Und dann ohne Fisimatenten das erste Brot angeschnitten!

(Viel Arbeit, finden Sie? Schnickschnack. Sie können abwaschen, während die Brote im Ofen sind. Sie trauen sich nicht, Wasser in den Ofen zu gießen? Müssen Sie selber wissen. Stellen Sie dann aber wenigstens schon beim Vorheizen eine feuerfeste Schale mit Wasser auf den Ofenboden.)

Dienstag, 12. Januar 2010

Das Wettrennen



Sehr verehrtes Publikum, liebe Gäste,
lassen Sie sich herzlich begrüßen zu unserem sensationellen
Wettrennen der Lauftiere!
Unsere Teilnehmer der Endrunde in Bestform:
zur Linken Rhino, das Nashorn, rechts im Bild der großartige
Grüne Fantje und in der Mitte als absoluter Favorit des Rennens
Hundi!

Die Teilnehmer begeben sich an den Start, verehrte Gäste,
an diesem herrlichen Renntag…

… und der Favorit wählt den mittleren Startplatz… Der Startschuß fällt!
Und wie erwartet begibt sich unser Hundi sogleich in Führung!



Und er baut die Führung aus, liebe Zuschauer, und läßt seine
Konkurrenten bereits auf den ersten Metern weit hinter sich!
Aber… es scheint, als könnte sich Rhino, das Nashorn,
in diesem Rennen gegen unseren Favoriten durchsetzen…
Rhino holt auf! Weit abgeschlagen der Grüne Fantje, liebe Zuschauer…



Tatsächlich übernimmt jetzt Rhino, das Nashorn die Führung!
Hundi zeigt sich nicht in allerbester Verfassung nach
einer intensiven Rennsaison… und auch der
Grüne Fantje gewinnt an Boden, liebe Gäste! Und er zieht gleich
mit unserem Favoriten, es ist nicht zu fassen!



Und in diesem Moment läßt der Grüne Fantje seine
Konkurrenten hinter sich! Unglaublich, diese Kampfstärke!
Rhino, das Nashorn fällt weiter zurück, aber… Hundi, unser Favorit! Er
läßt sich seinen Platz auf dem Treppchen nicht streitig machen,
verehrte Gäste, dieser Ausnahmeläufer gibt alles!



Und Sie sehen ihn vorbeiziehen an dem Grünen Fantje und
auf das Ziel zustürmen, unseren famosen Favoriten!
Der Erste Platz für Hundi! Wie erwartet entäuschte der
Spitzenathlet auch dieses Mal seine
begeisterten Anhänger nicht!
Und das war unser grandioser Renntag, verehrte Gäste,
wir danken ganz herzlich für´s Zuschauen!

Dienstag, 5. Januar 2010

Unser armer Tannenbaum…


… er mußte gehen! Nun liegt er vor der Tür im Schnee, und wie jedes Jahr um diese Zeit müssen wir dauernd an die Geschichte von H.C. Andersen denken, an den Tannenbaum, der glaubt, zum näxten Weihnachtsfest werde er wieder hereingeholt und mit Glitter und Kerzen geschmückt, und am Ende bleibt doch nichts von ihm übrig als ein kleiner Goldstern. Traurig, oder? Wie auch immer, unser Baum ist nicht mehr und wir müssen uns gedulden bis in ungefähr elf Monaten. Friede seiner Asche!
(Was passiert eigentlich, nebenbei gefragt, mit den Millionen und Abermillionen Weihnachtsbäumen, wenn nach Dreikönige die Müllabfuhr vorfährt? Weiß das einer?)

Inzwischen haben wir von der wundervollen Frau Tulpe zwei neue Stoffe bekommen – Erdbeer-Karo und Apfel-Birne. Und weil das gesamte Wochenende im Schnee versinken soll, haben wir einen guten Grund, in der muckeligen Stube zu bleiben. Und unsere Küchensäcke kriegen endlich zwei neue Kollegen!


Außerdem haben Franzinellis etwas gefilzt, ja! Naßfilzen, so durften wir feststellen, ist nicht ganz nach unserem Geschmack (Ausnahme: Mucki Franzinelli, aber Mucki ist erst sechs), doch mit drei Filznadeln ließ es sich hübsch werkeln, von kurzen Intermezzi mit den Fingerspitzen abgesehen. Und so sehen die ersten Kleinkunstwerke aus Franzinellis Filzgalerie aus, eines komplett & vollständig mit selbstgestaltetem Hintergrundpapier, einer karierten Rüsche und einem einfachen weißen Pappmachérahmen. Kann man hinstellen. Oder hängen, ganz wie man will. Das andere ziert unserem Küchenschrank, das geben wir nicht her!


Falls Sie übrigens nicht wissen, was Sie essen sollen: Ein allein zu Hause befindlicher Franzinelli hat sich heute dieses frugale Mittagsmahl hergerichtet: Eine warme Roggenstange, frisch aus dem Ofen, dazu ein Stück Weinbergkäse. Zur Nachspeise ein, zugegebenermaßen, nicht mehr ganz so frisches Ende vom Neujahrszopf. Und eine Birne. Bißchen Obst muß auch sein, hin und wieder.


Diese Woche hatten wir eine besonders nette Arbeit: Ein junger Mann von noch nicht neun Jahren hat sich einen blauen Holzwürfel bestellt. Wir haben uns sehr große Mühe gegeben, Motive zu finden, die ihm gefallen könnten. Wir wünschen Dir ganz lange viel Spaß an Deinem Talisman, Michel!


Das sind wir nun…



… im neuen Jahr 2010! Und es ist das erste Mal, daß wir es geschafft haben mit einem guten Vorsatz: ein Blog zu eröffnen! Eigentlich hatten wir das nämlich längst aufgegeben, das mit den Vorsätzen…
Es war schön, 2009, und selbstredend weihnachtete es wieder tüchtig bei Franzinellis: mit dem unabdingbar notwendigen Tannenbaum, von Pap Franzinelli mit der ihm eigenen Sorgfalt ausgewählt, und den zahllosen Versatzstücken, die den Rest des Jahres in einem Kellerwinkel schlummern, bis es wieder Zeit ist…

Und das neue Jahr fing gleich richtig gut an mit einer schönen Arbeit für die nette Kathrin, die sich drei Tablettchen gewünscht hat, in verschiedenen Türkis-Tönen. Wir konferierten fleißig, bis die passenden gefunden waren. Inzwischen haben wir mal angefangen und Tupfen-Papier gedruckt und aufgezogen. Und es ist ziemlich viel Papier übrig, das gibt bestimmt ein paar putzige Briefumschläge…


Außerdem war auch sonst wieder Zeit für ein bißchen Kreativität, das gehört schließlich unbedingt dazu in einem nagelneuen Jahr. Während der Hof noch ganz im Winterschlaf liegt…


… ist im Haus quasi schon der Frühling unterwegs…

Hat was von den allerersten Primeln, die man bald wieder kaufen kann! Aber natürlich erst, wenn der Weihnachtsschnikkes weg ist. Und der Frost. Sonst gehen sie ja ein, und das wollen wir doch nicht!

Und jetzt dürfen Sie mal raten, was es an einem winterlichen Tag wie heute bei den verschnuppten Franzinellis zu essen gibt. Na kommen Sie schon, zieren Sie sich nicht!

Wir geben zu, es fehlt eine wesentliche Zutat, nämlich der Silvaner im Bocksbeutel. Aber Sie haben es auch so herausgefunden, oder? Zwiebelsuppe, überbacken mit Greyerzer Käse… Wem da nicht warm wird…