Sonntag, 14. November 2010

Kliasslan-Tutorial


Gehören Sie auch zu den Nordrhein-Westfalen, die gestern den ganzen Tag unter einem von Südwest nach Nordost durchziehenden Regenband ausharren mußten? Wir hoffen, Sie wurden nicht überflutet oder was auch immer. So oder so war in unserer Gegend der gestrige Tag einer der scheußlichsten des gesamten Jahres.
Aber haken wir´s ab.
Machen wir lieber Kliasslan. Oder Klöße. Halbseidene Kartoffelklöße, um genau zu sein. Wir teilen unser original oberschlesisches Rezept aus dem Jahr Pief mit Ihnen. Später kommt bei uns der Sauerbraten dazu, aber das hat jetzt noch Zeit.
Fangen wir an.

Sie brauchen für 4 Personen

1 kg mehligkochende, gleich große Kartoffeln
250 gr Kartoffelmehl
2 Eier
200 ml kochendheiße Milch
Salz, Pfeffer und Muskat


Kochen Sie die Kartoffeln in der Schale gar. Dann abgießen, kalt abschrecken und heiß pellen.
(An diesem Punkt kommt ein zauberhaftes Gerät zum Einsatz, das wir zu anderer Zeit mal ausführlich beschrieben haben: Die Kartoffelpresse. Wenn Sie keine haben, müssen Sie sich eine leihen oder den Stampfer nehmen – wenngleich wir persönlich finden, daß nur die Presse das richtige Ergebnis hervorbringt, nämlich einen luftigen Haufen Kartoffelmasse, der auch gern als "Kartoffelschnee" bezeichnet wird.)
Die heißen Kartoffeln durch die Presse drücken.


Die gepreßten Kartoffeln mit Mehl, Eiern und Milch mischen und mit Salz, Pfeffer und einer Prise Muskat würzen.
(Falls Sie einen Tip wollen: Gießen Sie nicht die ganze Milch auf einmal dazu. Vielleicht brauchen Sie etwas weniger als die abgemessenen 200 ml und sind hinterher sauer, wenn Ihnen der Teig zu weich wird.)
Der Teig soll glatt sein und nicht kleben.



Jetzt dürfen Sie ein bißchen Pause machen und den herrlichen Brei abkühlen lassen. Rufen Sie Ihre beste Freundin an oder lesen Sie was oder gehen Sie zum Flohmarkt, so wie wir.


Wenn das Abendessen kurz bevorsteht, das heißt bei uns, wenn der Sauerbraten fertig ist, können Sie einen großen Topf mit gut gesalzenem Wasser aufsetzen. Befeuchten Sie Ihre Hände und rollen Sie gemütlich Ihre Kliasslan. Nehmen Sie dazu jeweils einen ordentlich gehäuften Eßlöffel Teig, damit bekommen die fertigen Klöße hinterher genau die richtige Größe. Lassen Sie die Kugeln ins sprudelnd kochende Salzwasser gleiten und bei kleiner Hitze und halb aufgelegtem Topfdeckel 15 Minuten garziehen. Sie können sich die Uhr stellen oder auch nicht: Fertige Klöße schwimmen an der Oberfläche.
Sie haben jetzt noch reichlich Gelegenheit, die Bratensauce zu machen.



Wenn Sie die Klöße in einer Schüssel bei Tisch servieren, legen Sie eine umgedrehte Untertasse auf den Schüsselboden. Falls sich ein Rest Kochwasser sammelt, müssen Ihre kostbaren Kliasslan nicht darin schwimmen.
(Sollten Sie der Meinung sein, die Menge an Klößen in diesem Rezept sei zuviel: Sie können´s ja mal mit der Hälfte probieren. Obwohl wir finden, daß der Aufwand nicht lohnt. Heben Sie stattdessen übriggebliebene Kliass für den näxten Tag auf und braten Sie sie, in Scheiben geschnitten, in wenig Butterschmalz braun & gut. Ein Salätchen dazu oder einen Rest Bratensauce oder etwas Pflaumenkompott und Zimtzucker und Sie haben ein feines kleines Mittagessen.)

Unser Sauerbraten sieht nach drei Tagen in seiner Marinade übrigens so aus:


In der Internet-Enzyklopädie heißt es dazu:
"Durch das mehrtägige Marinieren wird das Fleisch mürbe, wodurch sich auch preisgünstigere Fleischstücke für diesen Braten anbieten…"
Das ist wohl so. Ein Stück Filet würde man für Sauerbraten nicht unbedingt vergeuden. Außerdem ist das säuerliche Weißweinessigaroma natürlich ganz köstlich in Verbindung mit dunklem Fleisch, gerösteten Zwiebeln, Rosinen, Rübenkraut. Aber wie auch immer. Wir lassen Sie jetzt allein weitermachen. Unser Sauerbratenrezept brauchen Sie nicht, Sie haben sicher Ihr eigenes aus Ihrer Region und wenn nicht, finden Sie eins an jeder Straßenecke (oder Sie schreiben uns einfach eine mail.) Zum Schluß, ehe wir in die Küche abzischen, beantworten wir Ihnen noch noch die FAQs zu Halbseidenen Kartoffelklößen:

Warum heißen die eigentlich "halbseiden"?
Als "Halbseidene" bezeichnet mal Klöße aus einem Teig mit nicht mehr als 1/3 Kartoffelmehl im Verhältnis zu den Kartoffeln. Ist der Mehlanteil höher, werden sie zu "Seidenen".

Ich habe nur festkochende Kartoffeln, gehen die auch?
Klar. Mehligkochende sind besser, aber kein Muß.
Kann ich noch Kartoffelmehl dazuschütten, wenn mir der Teig zu weich geworden ist?
Sicher doch. Aber übertreiben Sie nicht und tun Sie auch noch etwas Salz dazu.
Kann ich auch Weizenmehl nehmen?
Nein, können Sie nicht. Wenn Sie die richtigen Zutaten nicht haben, suchen Sie sich lieber ein anderes Rezept.
Läßt sich der Teig vorbereiten?
Wir machen den Kloßteig oft schon am Abend vorher und stellen ihn, mit einem Tuch abgedeckt, in den Keller. Rollen sollten Sie aber erst unmittelbar vor dem Kochen.
Wieso muß man die selber machen?
Muß man nicht. Man kann auch Pulver kaufen oder diese Dinger in den Kochbeuteln. Wenn man mit so etwas zufrieden ist.

Und wie das Leben so spielt, ist uns übrigens gerade wieder eine Haushaltssache eingefallen, die wir Ihnen bald mal zeigen müssen. Ein ganz ulkiges Ding, werden Sie sehen, demnäxt.

1 Kommentar:

  1. Leeeeeeecker...
    und das werde ich aber - am nächsten WE - nachkochen ;-))) *freu*

    Essen und Trinken sind die drei schönsten Dinge des Lebens.
    Willy Millowitsch *♥Sonntagabendknuddelwinkewunke*

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