Dienstag, 27. Juli 2010

Haushaltsachen No. 6


Heute müssen wir Ihnen in unserer Rubrik "Haushaltssachen" ein sensationelles Gerät vorstellen, das dieser Tage bei uns nach Jahrewigkeiten mal wieder zum Einsatz kam. Es sieht unfaßbar ulkig aus, verursacht beim Benutzen eine unfaßbar große Ferkelei, und wird, soviel steht fest, sofort wieder in seiner langjährigen Versenkung verschwinden. Ladies and gentlemen, meet the

Entkerner





Vor vielen Jahren standen mal die Franzinelli-Mädels inklusive Mutter auf der der Veranda, zwischen sich einen Eimer reife Sauerkirschen, auf dem Tisch ein paar Schüsseln. Die Mädels trennten die Stiele von den Kirschen ab. In Mutters Hand befand sich ein metallener Winkelhaken mit Scharnier. Vorne an diesem Winkelhaken war ein flaches Tellerchen mit einer Öffnung, darauf paßte genau eine Sauerkirsche. Dann klappte die Mutter den Haken zu, ein Metallstift bohrte sich durch die Kirsche, und der Kirschkern fiel durch die Öffnung in eine der Schüsseln. Die entkernte Kirsche kam in eine zweite solche.
Sie finden, das klingt nach guter und effizienter Arbeit? Naja. Manchmal fiel der Kern auch nicht durch die Öffnung, zum Beispiel, wenn eine Kirsche überreif war. Manchmal fiel die Kirsche gleich mit. Und schon nach der ersten Handvoll war ein Kirschsaftsee um jede Schüssel herum, das ging ganz fix. Und wir trugen zum Glück Bikinis, denn wir waren im Nullkommanix von oben bis unten mit Saft bespritzt. Wir alle, nicht nur unsere Mutter, die den Entkerner bediente.
Am Ende kamen aus dem Eimer Kirschen fünf oder sechs Einmachgläser heraus, von denen eins nach dem Einkochen wg. unzulänglichem Gummiring wieder aufging und zu gären begann. Die Ausbeute war also ziemlich schmal. Wir machten das Experiment nicht wieder. Und unser Entkerner kam irgendwie weg und tauchte nie mehr auf.
Dieses Jahr nun konnte Mutter Franzinelli einfach nicht Nein sagen und nahm nach vielem Zaudern und Zögern einen Eimer Sauerkirschen von unserem Nachbarn Peter. Ein Entkerner mußte in der Verwandtschaft ausgeliehen werden, und wir geben zu, die Mutter verrichtete die schauderhafte Tätitgkeit des Entkernens einsam und allein. Keiner wollte dabeisein. Die Kirschen wurden nicht eingekocht, sondern tiefgekühlt, und wir wissen jetzt schon, welches Schicksal ihnen beschieden ist, da hier niemand gefrorenes Obst mag. Der Entkerner ist bereits wieder verpackt und auf dem Heimweg, vermutlich werden wir ihn niemals wiedersehen. So ist das, traurig.
Die wundervolle Rückseite der Packung, in der sich der geliehene Entkerner befand, wollen wir Ihnen allerdings nicht vorenthalten. Wir hätten sie vielleicht an uns nehmen sollen, nur so, aus Nostalgie. Zu beachten ist die vollkommen saftfreie Verarbeitung der Früchte, wie das schöne Bild suggeriert:


Ein kleines PS zu dieser Geschichte schieben wir noch nach: Als wir dereinst saftbespritzt von Kopf bis Fuß auf unserer Veranda herumwirtschafteten, erschien ohne Voranmeldung unser Onkel Klemens. Dieser Onkel hat die unselige Neigung, ausschließlich dann aufzutauchen, wenn es am wenixten paßt – weil man gerade dabei ist, das Gras zu schneiden, sich die Haare zu färben oder den Tannenbaum zu schmücken, man sich gemütlich mit einem Schmöker auf´s Sofa geschmissen oder die Füße in Salzwasser eingeweicht hat oder eben einen Eimer Sauerkirschen entkernt. Wir haben den Onkel sehr gern. Aber er blieb an jenem Tag nicht lange…

Und außerdem:

Mucki Franzinelli wird bald eingeschult. Wir finden es ausgemacht rührend, wie die Puuten sich auf diesen Tag freuen – wenn man bedenkt, wie schnell ihnen die Schule dann womöglich zum Hals heraushängt! Damit der Schmelz der Begeisterung nicht zu früh abblättert, haben wir uns eine Überraschungstüte ausgedacht. Sie ist mit allerlei Papierkram gefüllt und trägt den Titel "Schule kann so schön sein (besonders nach Schulschluß!)". Gibts ab sofort im Shop.



Kommentare:

  1. ooooh, was für eine kultige geschichte... also, uromi arbeitet mit so einem teilchen (fragt nicht, wie!) und eure neusten kreationen: fabelhaft! motte kommt aber 2.klasse *ggg*
    lg steffi

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  2. Man muss sein Glück teilen, um es zu multiplizieren. (You must share your happiness to multiply it. On doit partager son bonheur pour le multipler.) - Marie von Ebner-Eschenbach *immerwiederschööönanEUERNkleinenGLÜCKSmomententeilhabenzudürfen...♥Donnerstagsknuddel*

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