Donnerstag, 3. Juni 2010

Haushaltssachen No. 4


Irgendwann haben wir Ihnen versprochen, daß wir in dieser Rubrik über wenig geliebte und unhandliche Küchengeräte auch einmal zu dem folgenden kommen werden. Wir haben das Thema, ehrlich gesagt, eine Weile vor uns hergeschoben, denn wir finden, daß jenes Gerät nicht nur sperrig zu benutzen, sondern ebenso zu beschreiben ist. Aber da die Saison für Kartoffeln aus dem Vorjahr endgültig vorbei ist und die glorreiche Zeit der Neuen – wenixtens für uns – noch längst nicht begonnen hat, raffen wir uns in dieser Zwischenphase auf und stellen Ihnen Haushaltssache No. 4 vor:

Die Kartoffelpresse




Vorneweg müssen wir Ihnen allerdings Franzinellis spezielles Verhältnis zur Kartoffel an sich erklären: Als echte Landpomeranzen sind wir sozusagen neben dem Kartoffelfeld großgeworden, und wenn es sich einrichten läßt, verzehren wir vorzugsweise Knollen aus eigenem Anbau. Da das aber nicht das ganze Jahr hindurch möglich ist, kaufen wir unsere Lagerkartoffeln bei unseren Nachbarn Peter und Karin, die auf ihrem Hof die allerbesten Spätkartoffeln im Umkreis produzieren. Wir sind also wirklich verschnuppt. Niemals würden wir beispielsweise gekochte Kartoffeln im Glas kaufen oder fertig geschälte im Vakuumpack oder irgendwie pulverisierte, vorgebackene oder sonstwie behandelte Exemplare.
Sie halten das für spießig? Für Zeitverschwendung? Und sind überhaupt der Meinung, Kartoffeln bestehen weitestgehend aus Kohlenhydraten, die bestenfalls Hüftgold verursachen?
Nun…
"Gepellte/geschälte Kartoffeln enthalten: ca. 15% Kohlenhydrate, …, ca. 78% Wasser…", von Eiweiß, Spurenelementen und Vitaminen mal ganz abgesehen. Sagt die Internet-Enzyklopädie. Und wir wollen Sie nicht langweilen, aber wußten Sie, daß es etwa 5000 verschiedene Sorten gibt? Fest- und mehligkochende, frühe und späte, in allen möglichen Formen und Farben? Schon gut – Sie kochen nicht gern und haben auch nur wenig Zeit, da stehen Kartoffeln verständlicherweise nicht an oberster Stelle auf dem Speiseplan. Und deshalb besitzen Sie natürlich auch keine Kartoffelpresse. Wir müssen zugeben: Extra angeschafft hätten wir uns keine. Unsere ist ein Erbstück von unserer Oma Maria, und sie ist ist genauso vorsintflutlich, wie sie aussieht. Sie besteht aus zwei von einem Metallstift zusammengehaltenen Hälften mit vielen kleinen Löchern, durch die man die – gut abgedämpften, immer heißen, niemals abgekühlten – Kartoffeln in eine Schüssel preßt. Heraus kommt eine lockere, seidige Masse mit unglaublich viel Luft dazwischen, da ist man echt erstaunt. Kein Vergleich mit Stampfkartoffeln zum Beispiel oder solchen, die mit dem Mixer zerkleinert wurden. Falls Sie je einen schönen Knödel halb-halb machen wollen: Auf diese Weise gepreßte Kartoffeln sind dafür unerläßlich.
Aber wir kommen vom Thema ab.
Denn irgendwann ist man mit der letzten Kartoffel durch. Und dann beginnt das Drama. Nämlich, wenn man die Presse säubern muß. Sie meinen, das kann wohl soviel Arbeit nicht sein? Naja, 15% Kohlenhydrate machen eine Menge aus, das können Sie glauben, wenn´s ans Kleben geht. Irgendwann finden Sie sich mit einem Zahnstocher wieder, um noch die kleinsten Reste aus den Winkeln der Presse zu kratzen. Alles andere wäre ja nun wirklich unhygienisch. Trotzdem ist es eine nervtötende Arbeit. Und man überlegt jedes Mal, ob man nícht doch einfach den Stampfer oder den Mixer nehmen soll. Allein, der Knödel – der wird damit nix. Und da war ja auch noch unsere Oma Sofie. Die hatte ein Patentrezept, wenn man krank war und auf überhaupt nichts Appetit verspürte: Frisch gemachtes Püree aus gepreßten Kartoffeln, mit viel Milch und einem Stich Butter, dazu ein weichgekochtes Ei und einen Dosenpfirsich. Rümpfen Sie nicht gleich wieder die Nase. Probieren Sie das mal: Nehmen Sie einen Teller samtiges, heißes Kartoffelpüree und drücken Sie mit dem Löffel eine Mulde hinein. In die Mulde einen halben Dosenpfirsich und etwas Saft und daneben das Ei. Das ist ein kleines Wunder, auch wenn Sie es nicht glauben wollen.
Nun haben Sie keine Kartoffelpresse, oder? Dann nehmen Sie eben ausnahmsweise den Mixer…
Übrigens ist uns gerade in diesem Moment eine weitere überflüssige und umständlich zu handhabende Haushaltssache eingefallen, die wir hier ewig nicht gesehen haben. Tatsächlich wissen wir garnicht mehr, wo wir sie nach dem letzten Benutzen hingeräumt haben. Wir werden mal suchen gehen…

Und außerdem:

Passend zum Sujet eine kleine Ablichtung unsere aktuellen Kartoffelbeets. Bis zur Ernte wird es leider noch ein paar Wochen dauern…


Und so schäumt es zur Zeit über die Hofmauer. Einfach wundervoll.

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