Sonntag, 7. März 2010

Haushaltssachen No. 2

Sind Sie schon fertig mit Essen? Was gab´s denn? Der Sonntag ist ja für manche der eine Abend in der Woche, an dem Zeit ist zum Kochen und zum behaglichen Miteinander am Eßtisch. Für andere ist es eher der Pommes-und-Pizza-Abend, vor dem Fernseher, bordje op schoot. Das kann jeder halten wie Witwe Bolte, aber wir finden, heute ist es wieder Zeit für eine komplett überflüssige Haushaltssache. Diesmal haben wir eine ausgewählt, die so gefährlich ist, wie sie sexy aussieht, Haushaltssache No. 2:

Der Gemüsehobel





Vor einigen Jahren erwarteten Franzinellis mal Besuch. Als Vorspeise wollten wir Forellenfilets in einem Mäntelchen aus hauchdünn geschnittenen Kartoffelscheiben machen, ein wirklich schönes Gericht, wenn auch ziemlich aufwendig. Irgendwann hatte derjenige, der die Kartoffeln mit einem Küchenmesser in die oben erwähnten hauchdünnen Scheiben schneiden sollte, die Faxen dikke und kramte aus einer Schublade einen Gemüsehobel hervor.

Ein Gemüsehobel, so kann man es im Internet-Lexikon lesen, ist ein "Küchengerät zum scheibenweisen Schneiden von Gemüse". Kaum zu glauben, aber wahr, und weiter heißt es: "Um Verletzungen der Finger zu vermeiden, wird das Schnittgut meist mit einem Halter bewegt, einem Griffstück, an dessen Unterseite mehrere Dorne das Gemüsestück festhalten." Der Gemüsehobel, den Franzinellis zu jener Zeit besaßen, stammte aus der verstaubten Haushaltswarenecke eines Supermarktes, und solch ein Halter war nicht dabei. Das war weiter nicht tragisch, denn das Hobelmesser war nicht im Mindesten scharf. Der mit den Kartoffeln beschäftigte Franzinelli säbelte deshalb drauflos wie ein Besessener, indessen, er schaffte nur zwei oder drei schartige Scheiben, dann rutschte das Gemüse ab und an seiner Stelle schrammte mit Schmackes der Franzinelli-Daumen über das Hobelmesser. Der Anblick war nicht schön und der Schaden beträchtlich, obwohl das Messer ja eigentlich stumpf war. Wie auch immer, der Besuch erschien und bemitleidete über seinen Forellfilets im Kartoffelmantel ausgiebig den weinenden Franzinelli mit dem gigantisch verbundenen Daumen.

Eine Woche später brachte der Postbote ein Paket. Und darin lag er, der ultimative Gemüsehobel, ein Trostgeschenk der Gäste. Kalt funkelte sein schlanker Edelstahlkörper auf der Küchenanrichte. Wir legten ihn sicherheitshalber erstmal in eine Schublade.

Irgendwann kam einer auf die Idee, Kartoffelchips zu machen. Da fiel er uns wieder ein, der neue Gemüsehobel. Wir holten ihn hervor und betrachteten ihn. Er besaß zwei Gummifüße zum festen Abstellen auf der Anrichte und eine mehrfach verstellbare Klinge. Die Klinge sah scharf aus, sehr scharf. Wir glaubten nicht, daß es irgendeinem Daumen guttun würde, ihre Bekanntschaft zu machen, aber da war ja auch noch ein Plastikhalter dabei, "an dessen Unterseite mehrere Dorne das Gemüsestück" festhielten. Um es kurz zu machen, wir fabrizierten die geilsten Kartoffelchips ever, dünn wie Glas und so knusprig, daß sie splitterten. Den Halter für das "Schnittgut" schmissen wir allerdings gleich nach dem ersten Mal ohne Umschweife in den Müll, denn ob Sie es glauben oder nicht, wir hatten jede Menge Plastik abgehobelt und das konnte schwerlich Sinn der Sache sein. Der neue Hobel wurde sorgsam mit warmem Wasser gesäubert und ehrfurchtsvoll in seine Schublade zurückgelegt. Wir begegnen ihm noch immer mit Respekt und einem Anflug von Schaudern. Wir hobeln auf seiner tödlich scharfen Klinge nur ausreichend große Kartoffeln und Möhren und Gurken – die werden im Nullkommanichts kleiner, ehrlich! und ehe man sich versieht… Es bleiben immer ziemlich große Reststücke übrig, nur so, zur Sicherheit.

Der Franzinelli mit dem lädierten Daumen wäre übrigens der Erste, der den Gemüsehobel auf dem näxten Flohmarkt für einen Euro oder so vertikken würde. Ohne jedes Bedauern. Und im Prinzip rangiert das Teil in der Liste unnützer Gegenstände weit hinter dem Toastständer. Hat man aber einmal selbstgemachte Kartoffelchips genossen, fällt der Gedanke schwer, sich von dem scharfen Feger zu trennen. Und eigentlich nimmt er ja soviel Platz auch nicht weg in seiner Schublade. Wir lassen ihn erstmal da…


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen