Sonntag, 21. Februar 2010

Haushaltssachen No. 1



Neulich saßen Franzinellis mal beim Sonntagsfrühstück und krümelten friedlich vor sich hin. Irgendeiner bemerkte achtlos, der Toastständer könnte auch mal wieder eine Politur vertragen, und Mutter Franzinelli verteilte sofort Kopfnüsse. Dennoch wurde die Frage laut, ob wir so etwas wirklich unbedingt im Haus haben müssen: einen silbernen Toastständer, der ewig und drei Tage mit jener widerlichen rosa Paste gesäubert werden will, damit er glänzt wie der Mond. Ob wir nicht grundsätzlich auf einen gewissen Teil der Haushaltsgegenstände verzichten könnten, die wir in Schränken und Schubladen horten? Die nach jeder Verwendung einer sorgfältigen Reinigung unterzogen werden müssen, damit sie nicht verranzen? Die wir kaum jemals benutzen? Die nur Platz wegnehmen oder sowieso immer verschwunden sind, wenn man sie braucht? Dinge wie die Kartoffelpresse beispielsweise oder der todscharfe Gemüselhobel oder das porzellanene Teil, mit dem Bratensaucen entfettet werden?

Wollen Sie wissen, wie die Antwort lautete? Die Antwort lautete: Nein. Nein, wir können nicht auf diesen Teil der Haushaltsgegenstände verzichten, auch wenn wir jedes Mal beim Spülen die Motten kriegen, weil die stärkehaltigen Reste der Dampfkartoffeln in den Winkeln der Presse haften wie Beton. Oder weil irgendein Depp sich die Fingerkuppe abgehobelt hat. Oder was auch.

Ihnen ist völlig wurst, warum das so ist? Na gut, dann überspringen Sie einfach den folgenden Absatz, in dem wir einmal eine Lanze für überflüssige, sperrige und wenig geliebte Haushaltsgegenstände brechen wollen. Mit dem Toastständer fangen wir an, schließlich ist der an allem schuld. Demnäxt kommt womöglich die Kartoffelpresse an die Reihe, die ist dann vielleicht eher was für Sie. Aber hier und heute in "Haushaltssachen No.1":

Der Toastständer



"Toastbrot (von englisch toast, "rösten" aus lateinisch tostus)… ist ein spezielles feinporiges Kastenweißbrot mit dünner Kruste, das vor dem Verzehr scheibenweise geröstet wird…"

So sagt die Internet-Enzyklopädie. Sie sagt natürlich noch einiges mehr, zum Beispiel, daß Toast aus Weißmehl oder Vollkornmehl besteht und daß der Rösteffekt auf den hohen Eiweiß- und Zuckeranteilen beruht. Allerdings verschweigt sie, warum das scheibenweise geröstete Brot nun eigentlich einen eigenen Ständer braucht. Am besten einen mit Silberauflage und Platz für sechs bis acht daumendicke Scheiben. Schließlich schiebt sich manch ein Morgenmuffel seinen Toast ohne Appetit zwischen die Kiemen, ohne was drauf und im Stehen, den eiligen Blick auf die Uhr gerichtet. Und wer eine gute Unterlage für den Tag braucht, ißt sowieso keine Leerkalorien, sondern ein hochwertiges Müsli oder ein dickes Butterbrot. Oder?

Wenn Franzinellis in England unterwegs sind, steigen sie auf der Durchreise in einem schönen altmodischen guest-house in Dover ab. Das Frühstück dort ist gnadenlos unzeitgemäß und nix für Gesundheitsapostel: ein Schälchen Cornflakes, danach ein großer Teller mit allerlei gebratenem Schnikkes und zum krönenden Abschluß a rack of toast, direkt aus der Küche. Bill, der Gastgeber, bringt ihn immer selbst an den Tisch, zusammen mit einem Kristallglas mit einer besonderen Sorte thick cut marmalade. Die Toastscheiben sind etwas größer, als wir sie hier kennen, und meistens leicht ungleichmäßig gebräunt, weil sie auf dem Ofenrost geröstet wurden. Aber sie sind köstlich warm und knusprig, denn auf dem Toastständer haben sie ihre gesamte Feuchtigkeit ausgedampft. Ein kleiner Strich leicht gesalzene Butter, ein Klacks Orangenmarmelade – der Himmel auf Erden! Bill besitzt übrigens einen äußerst pflegeleichten Toastständer aus Porzellan, dessen Trennwände niedrig genug sind, um dem frischen Toast ausreichend Luft zukommen zu lassen – nur so bleibt er wirklich knackig. Sie können sich denken, daß Mutter Franzinelli nahezu jedes Haushaltwarengeschäft auf der Insel abgegrast hat, auf der Suche nach solch einem Gegenstand. Allein, wir fanden keinen. Wir müssen uns weiterhin mit dem versilberten Exemplar zufriedengeben, das gerne anläuft und alle paar Wochen geputzt werden muß.

Trotzdem – legen Sie niemals eine eben geröstete Scheibe Toast direkt aus dem Toaster auf Ihren Frühstücksteller. Noch bevor Sie Butter daraufgestrichen haben, hat sich zwischen Brot und Teller Kondenswasser gebildet und die ganze Affäre verliert ihren Knusper. Ehrlich, das ist so. Tun Sie sich und dem Toast sowas nicht an. Kaufen Sie sich auch einen Toastständer. Die sind so teuer nicht. Und was bedeutet schon das bißchen putzen…

Ganz nebenbei: Wir waren mal in Urlaub in Holland und schlurften an unserem letzten Tag muffig durch Alkmaar, die verhaßte Abreise direkt vor Augen. Zufällig kamen wir an einem kleinen Kirchenbasar vorbei, und was fanden wir? Einen wunderhübschen Toastständer aus einem einfachen Metall, mit reichlich Fächern und ganz anspruchslos hinsichtlich seiner Reinigung. Er kostete keinen Arm und kein Bein, und als echte Altreucher nahmen wir ihn mit. Für´s Sonntagsfrühstück brauchen wir ihn natürlich nicht, da haben wir ja den silbernen. Aber wir verwenden ihn als desk tidy auf dem Sekretär, und er ist immer gefüllt mit Briefumschlägen, Postkarten, Fotos, Gutscheinen und sonstigen odds and ends!

… und außerdem

war heute Versandtag bei Franzinellis: drei dicke braune Schwammerl für Ursula, zwei kleine Holzherzenschwärme für Melanie und vier Fliegenpilzchentaler für Betty wanderten aus unserem Küchenatelier in Mutter Franzinellis Einkaufstasche und dann zum Briefkasten, auf die lange Reise in ihr jeweiliges neues Zuhause. Kann man nur sagen: Bon Voyage miteinander! Und unseren Kundinnen viel Spaß an den Sächelchen!

Zufällig fiel uns beim Verpacken übrigens eine Schachtel mit Butterbrottüten in die Hände. Herrschaften, was man alles in der Küche hat, das man auch zum Werkeln gebrauchen kann! So eine Butterbrottüte ist total unterschätzt: Sie ist sauber und appetitlich und außerdem blütenweiß. Letztere Tatsache zwingt einen geradezu, sie auf der Stelle mit einem Stempel oder einem Aufkleber zu verzieren. Den Rand noch hübsch mit der Zickzack-Schere beschnitten und fertig ist eine sensationelle Verpackung für kleine Gegenstände.

Die übrigen Tüten wanderten anschließend umgehend in den Materialschrank, woselbst sie ihrer zukünftigen Verwendung harren. Wer morgen unbedingt ein Butterbrot mitnehmen will – zum Beispiel einen Toast? – , muß sich eben mit einem Stück Folie begnügen!

1 Kommentar:

  1. hmmm ich mag eueren Toastständer sehr :-) ach ja das mit den brottüten mach ich immer so :-)..Liebe Grüße heike
    P.S an und an braucht man unnötige Dinge

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